Pressetext aus Rastede

 

Ein Chanson-Abend, wie ihn die Besucher der letzten Soirée vor der Sommerpause im gut besetzten Palais erleben konnten, ist an sich bereits eine seltene musikalische Perle – veredelt wurde diese Perle durch die herausragende künstlerische Individualität des in Hannover beheimateten Duos „Mauve“.

 

Im Hintergrund, als Person kaum wahrnehmbar, Malte Hollmann, der Pianist des Duos. Hoch konzentriert, sensibel und mit scheinbar leichter Hand bereitet er mit seiner passgenauen, virtuosen Klavierbegleitung, die Bühne für Maja Hilke, seine Partnerin. Springlebendig und in bodenständiger Natürlichkeit wirbelt Maja ausdrucksstark durch Chansons von Georges Brassens, Jacques Brel oder Serge Gainsbourg – gibt mal den abgebrühten, grobschlächtigen Seemann in „Port d‘ Amsterdam“ (Brel), singt in sehnsuchtsvoller Erinnerung „ Ta peau contra ma peau“ (deine Haut auf meiner Haut) von Boris Vian oder peitscht in atemberaubender Wortgeschwindigkeit durch (Gainsbourg) „le poinçonneur des Lilas“, dem Fahrkartenabknipser, der „Löcher macht, kleine Löcher, immer mehr kleine Löcher, ständig kleine Löcher …“.

 

Die sehr individuelle und vielseitige Stimm-Modulation ihres Mezzosoprans, lässt jedes einzelne Chanson zu einem besonderen Erlebnis werden. Zart und manchmal kaum wahrnehmbar untermalt Maja die bewegende Eigenkomposition „Valse de Mamie“ mit den sphärischen Klängen singender Weingläser und verarbeitet darin, dass ihre geliebte Oma im Nationalsozialismus aktiv war – oder sie setzt sich selbst ans Klavier, während Malte Hollmann, wie in „ Pauvre Martin“ (Brassens) zum Akkordeon greift und mit seiner wohlklingenden Stimme den Refrain unterstützt. „Parce que je ne que toi“ (Charles Aznavour) erzählt von der hoffnungslosen Liebe eines älteren Herren zu einem zwanzigjährigen Mädchen.

 

In „Göttingen“ von Barbara, das diese 1964 nach einem Auftritt in der Stadt schrieb, den sie zunächst aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte und der Verfolgung durch die Nazis ablehnte, heißt es u.a. „Lasst jene Zeit nie wiederkehren, wenn Blut und Hass die Welt zerstören. Denn es gibt Menschen, die ich liebe in Göttingen, in Göttingen.“ Dieses Chanson wurde zu einem wichtigen Bindeglied zwischen dem deutschen und dem französischen Volk. Viel Wehmut und Dramatik steckt auch in Tom Waits Ballade „I’m your late night evening prostitute“ und „Dreh das Fernsehn ab, Mutter, es zieht“, eine Satire des „Weltdurchschauers“ Georg Kreisler, setzte den Schlusspunkt unter das vielseitige und prall mit anspruchsvollen Stücken gefüllte Programm von  „Mauve“, das mit frenetischem Applaus belohnt wurde.

(URSULA VON MALLECK)

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